Aufnahme

Sich selbst filmen mit dem Handy: Die komplette Anleitung für gute Selfie-Videos

Kamerawahl, Halterung, Höhe, Licht, Ton und Einstellungen: alles, was du brauchst, um dich mit dem Handy allein und ohne Hilfe sauber zu filmen.

Cameratel-Team 7 Min. Lesezeit Aktualisiert:
In diesem Ratgeber
  1. Sich selbst filmen mit dem Handy: Front- oder Rückkamera?
  2. Halterung: Stabil statt freihändig
  3. Höhe und Abstand
  4. Bildausschnitt im Hoch- und Querformat
  5. Fokus und Belichtung
  6. Licht und Ton
  7. Die richtigen Einstellungen
  8. Aufnahme starten, ohne zum Handy zu laufen
  9. Der 30-Sekunden-Test vor jeder Aufnahme

Sich selbst filmen mit dem Handy klappt mit wenig Ausrüstung. Du brauchst nur eine stabile Halterung auf Augenhöhe, Licht von vorn, einen ruhigen Raum und die richtigen Einstellungen. Für Videos, in denen du in die Kamera sprichst, ist meist die Frontkamera die bessere Wahl, weil du dich und dein Skript siehst. Diese Anleitung führt dich in zehn Minuten von der Kamerawahl über Halterung, Licht und Ton bis zum ersten Testvideo – ganz ohne Kamerateam.

Sich selbst filmen mit dem Handy: Front- oder Rückkamera?

Die wichtigste Entscheidung zuerst. Beide Kameras haben ihre Stärken:

KriteriumFrontkameraRückkamera
Bildqualitätgut bis sehr gutmeist noch etwas besser
Du siehst dich selbstjanein
Skript ablesenja, direkt unter der Linsenur mit externem Bildschirm oder Helfer
Objektivwahlmeist eine Brennweiteoft Weitwinkel, Haupt- und Teleobjektiv
Ideal fürTalking Head, Reels, Bewerbungsvideos, KurseInterviews mit Kameraperson, Produktaufnahmen, B-Roll

Für alles, was du allein und mit Skript aufnimmst, ist die Frontkamera die praktischere Wahl. Bei Cameratel läuft dein Skript im PROMPTER-Modus genau dort oben am Display, direkt unter der Frontkamera. Für Detailaufnahmen deines Produkts wechselst du einfach auf die Rückkamera.

Halterung: Stabil statt freihändig

Freihändig gefilmte Videos wackeln, und ausgestreckte Arme sieht man im Bild. Diese Lösungen funktionieren:

  • Tischstativ mit Handyklemme: günstig, leicht, ideal am Schreibtisch.
  • Bodenstativ: für Aufnahmen im Stehen oder mit mehr Abstand.
  • Klemmhalterung: hält am Regal, an der Tischkante oder am Türrahmen.
  • Improvisiert: ein Stapel Bücher und ein Glas, an das du das Handy lehnst. Funktioniert, solange niemand am Tisch wackelt.

Achte darauf, dass die Halterung weder Mikrofon noch Kamera verdeckt, und dass du das Handy wahlweise hochkant und quer einspannen kannst.

Höhe und Abstand

Die Linse gehört auf Augenhöhe. Von unten gefilmt wirkst du dominant und zeigst dein Kinn, von oben wirkst du kleiner. Bei der Frontkamera ergibt eine Armlänge Abstand ein klassisches Brustbild – Kopf und Schultern im Bild. Für mehr Gestik oder Aufnahmen im Stehen gehst du weiter zurück.

Steht das Handy weiter weg, wird außerdem der Winkel zwischen Linse und Text kleiner. Dein Blick wirkt dann direkter, wenn du abliest. Die Schrift im Teleprompter darf dafür etwas größer sein.

Bildausschnitt im Hoch- und Querformat

  • Hochformat 9:16 für Reels, TikTok, Shorts und Stories: Kopf und Oberkörper, Augen im oberen Drittel. Lass unten Platz, weil dort Bedienelemente und Untertitel liegen.
  • Querformat 16:9 für YouTube, Online-Kurse und Präsentationen: Du kannst mittig sitzen oder leicht versetzt, damit neben dir Platz für Einblendungen bleibt.
  • 1:1 und 4:5 für Feed-Beiträge auf Instagram, Facebook oder LinkedIn: etwas enger, Gesicht im Mittelpunkt.

Blende das Raster ein. Es hilft dir, gerade Linien gerade zu halten und deine Augen auf der oberen Drittellinie zu platzieren.

Fokus und Belichtung

Tippe in der Vorschau auf dein Gesicht, damit Schärfe und Helligkeit darauf ausgerichtet sind. Bewegt sich hinter dir viel, oder sitzt du vor einem hellen Fenster, springt die Automatik sonst hin und her. Wirkt das Bild zu dunkel oder zu hell, passt du die Belichtung manuell an. Viele Kamera-Apps erlauben außerdem, Fokus und Belichtung per langem Tippen zu fixieren – praktisch, wenn du dich viel bewegst.

Licht und Ton

Beim Licht gilt eine einfache Regel: Fenster vor dir, nicht hinter dir. Direkte Sonne macht harte Schatten, eine dünne Gardine macht das Licht weich. Abends hilft eine Lampe schräg vor dir, und das Ringlicht in Cameratel macht den Bildschirmrand zu einem sanften Fülllicht für dein Gesicht. Mehr Varianten findest du im Ratgeber zum Licht für Handyvideos.

Beim Ton entscheidet der Raum. Teppich, Vorhänge und Polstermöbel schlucken Hall, Küche und Bad werfen ihn zurück. Das Handymikrofon sitzt meist an der Unterkante – deck es nicht ab. Schalte „Nicht stören“ ein, damit keine Benachrichtigung die Aufnahme stört, und lege Kühlschrank-Brummen und Straßenlärm so gut es geht still. Wer regelmäßig filmt, investiert am besten in ein Ansteckmikrofon.

Die richtigen Einstellungen

Für die meisten Videos reichen Full HD und 30 Bilder pro Sekunde. 4K lohnt sich, wenn du für YouTube filmst oder später zuschneiden willst, braucht aber deutlich mehr Speicher. 60 fps machen Bewegungen flüssiger, 24 fps geben einen filmischen Look. HEVC spart Speicherplatz, H.264 läuft auf mehr Geräten. Alle Details mit einer Tabelle pro Plattform stehen im Ratgeber zu Videoformat und Einstellungen.

Schalte die Stabilisierung ein, wenn du gehst oder das Handy in der Hand hältst. Auf dem Stativ brauchst du sie nicht unbedingt.

Aufnahme starten, ohne zum Handy zu laufen

Jedes Mal aufzustehen und auf „Aufnahme“ zu tippen, kostet Zeit und verwackelt den Anfang. Besser:

  1. Countdown: ein paar Sekunden Vorlauf, um in Position zu kommen.
  2. Lautstärketasten: Sie starten und stoppen die Aufnahme, wenn du das Handy in Reichweite hast.
  3. Bluetooth-Fernbedienung: startet und stoppt die Aufnahme aus der Entfernung.
  4. „Scrollen mit der Aufnahme starten“: Liest du ein Skript, beginnt der Text genau mit dem Take.
  5. „Aufnahme am Skriptende beenden“: Nach der letzten Zeile hört die Aufnahme von selbst auf.

Der 30-Sekunden-Test vor jeder Aufnahme

  1. Nimm 30 Sekunden auf, in denen du normal sprichst und dich einmal bewegst.
  2. Hör dir den Ton mit Kopfhörern an: Rauschen, Hall, Brummen?
  3. Prüfe die Schärfe auf deinen Augen, nicht auf dem Hintergrund.
  4. Schau, ob dein Gesicht hell genug ist und keine harten Schatten hat.
  5. Kontrolliere den Bildausschnitt: Augen im oberen Drittel, nichts Störendes im Hintergrund.

Erst wenn alle fünf Punkte passen, startest du den echten Take. Weitere Tipps für Auftreten, Pausen und Energie liest du im Artikel über Talking-Head-Videos, und wie der Teleprompter direkt unter der Linse funktioniert, zeigt die Teleprompter-Kamera.

Häufige Fragen

Ist die Frontkamera gut genug für Videos?

Bei aktuellen Handys ja, besonders bei gutem Licht. Die Rückkamera ist meist noch etwas schärfer, dafür siehst du weder dich selbst noch dein Skript.

Wie filme ich mich allein, ohne dass das Bild wackelt?

Stell das Handy auf ein Stativ oder eine feste Unterlage und starte die Aufnahme per Bluetooth-Fernbedienung, Lautstärketaste oder Countdown. Freihändig wackelt es fast immer.

Warum klingt mein Handyvideo hallig?

Kahle Wände, Fliesen und große Fenster werfen den Schall zurück. Nimm in einem Raum mit Teppich, Vorhängen oder Sofa auf und verringere den Abstand zum Mikrofon.

Soll ich das Video der Frontkamera spiegeln?

Das ist Geschmackssache. Gespiegelt siehst du aus wie im Spiegel, ungespiegelt so, wie andere dich sehen. Achte darauf, dass Schrift im Bild nicht seitenverkehrt erscheint.