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Lernvideos aufnehmen und Online-Kurse drehen: So gelingt dir Unterricht vor der Kamera

Vom Lehrplan zur Videoreihe: Lektionen aufteilen, Erklärungen schreiben, ruhig sprechen, lange Einheiten in Abschnitten aufnehmen und Untertitel nutzen.

Cameratel-Team 7 Min. Lesezeit Aktualisiert:
In diesem Ratgeber
  1. Eine Lektion in kurze Videos aufteilen
  2. Erklärungen skripten
  3. Langsamer sprechen als im Social-Media-Video
  4. Lange Einheiten in Abschnitten aufnehmen
  5. Untertitel für Barrierefreiheit und SRT für Kursplattformen
  6. Querformat und ein gleichbleibendes Setup
  7. Checkliste: Lernvideos aufnehmen in 7 Schritten

Lernvideos aufnehmen und Online-Kurse drehen gelingt am besten in kurzen Einheiten: ein Lernziel pro Video, ein ausformuliertes Skript, ein ruhiges Sprechtempo und ein Setup, das bei jeder Aufnahme gleich bleibt. Ein Teleprompter direkt unter der Linse hilft dir, präzise zu erklären und trotzdem Blickkontakt zu halten. Untertitel machen die Videos barrierefrei und lassen sich als SRT-Datei auf die meisten Kursplattformen laden. Wie das im Alltag von Lehrkräften, Dozentinnen und Kurs-Erstellern funktioniert, erfährst du hier.

Eine Lektion in kurze Videos aufteilen

Eine 45-minütige Unterrichtsstunde als ein einziges Video funktioniert selten. Zuschauer verlieren den Faden, und du kannst einzelne Teile nicht austauschen, wenn sich etwas ändert. Besser: Zerlege die Lektion in kurze Videos mit jeweils einem klaren Lernziel.

So könnte eine Biologie-Einheit zur Fotosynthese für die siebte Klasse aussehen:

VideoLernzielLänge
1. Warum Pflanzen Licht brauchenAusgangsfrage verstehen2–3 Minuten
2. Was in einem Blatt passiertAusgangsstoffe und Produkte kennen4–5 Minuten
3. Die Formel ohne Angstdie Wortgleichung lesen und erklären3–4 Minuten
4. Fotosynthese im AlltagBeispiele aus Garten und Küche2–3 Minuten
5. Zusammenfassung und Quizdas Gelernte prüfen2 Minuten

Kurze Videos haben einen weiteren Vorteil: Schülerinnen und Schüler oder Kursteilnehmende können gezielt das eine Video noch einmal schauen, das sie nicht verstanden haben.

Erklärungen skripten

Gute Erklärungen folgen fast immer demselben Muster: eine Frage, die neugierig macht, eine einfache Erklärung, ein Beispiel aus dem Alltag und eine kurze Zusammenfassung. Schreib sie so, wie du im Klassenzimmer sprechen würdest – nicht wie im Lehrbuch.

# Einstieg
Warum wird eine Pflanze im dunklen Keller gelb?
[pause]
# Erklärung
Pflanzen stellen ihre Nahrung selbst her.
Dafür brauchen sie drei Dinge:
Licht, Wasser und Kohlenstoffdioxid aus der Luft.
Im Blatt wird daraus Zucker –
und als Nebenprodukt Sauerstoff.
[pause]
# Beispiel
Ohne Licht fehlt die Energie für diesen Prozess.
Darum wird die Pflanze im Keller schwach und blass.
# Zusammenfassung
Merk dir: Licht plus Wasser plus Kohlenstoffdioxid
ergibt Zucker und Sauerstoff.

Schreib Fachbegriffe beim ersten Auftauchen aus und erkläre sie in einem Halbsatz. Vermeide Abkürzungen, die du im Unterricht zwar benutzt, die aber nicht alle kennen.

Langsamer sprechen als im Social-Media-Video

Lernvideos brauchen ein ruhigeres Tempo als Reels. Deine Zuschauer müssen neue Inhalte verstehen, nicht nur unterhalten werden. Als Faustregel sind im Deutschen etwa 100 bis 120 Wörter pro Minute ein guter Bereich für Erklärungen. Bei Zahlen, Formeln und neuen Begriffen darfst du noch langsamer werden.

Wichtiger als langsames Sprechen sind Pausen: Nach jeder Kernaussage eine kurze Pause gibt dem Gehirn Zeit, mitzukommen. Markiere sie im Skript mit [pause]. Wie du dein eigenes Tempo misst, erklärt der Ratgeber zum Sprechtempo in Wörtern pro Minute. In Cameratel zeigt dir der Take-Bericht nach jeder Aufnahme, wie schnell du tatsächlich gesprochen hast.

Lange Einheiten in Abschnitten aufnehmen

Auch wenn deine Videos kurz sind, wirst du manchmal längere Einheiten aufnehmen – etwa eine Vorlesung oder ein ausführliches Tutorial. Diese Techniken helfen:

  1. Abschnitte markieren: Beginne jeden Abschnitt im Skript mit einer Zeile, die mit # anfängt. So siehst du beim Ablesen sofort, wo du bist.
  2. Pausieren statt abbrechen: Am Ende eines Abschnitts pausierst du die Aufnahme, trinkst einen Schluck und setzt sie fort. In Cameratel bleibt das eine durchgehende Videodatei – kein Zusammenschneiden nötig.
  3. Mit der Stimme scrollen: Im Modus „Folgt der Stimme“ wartet der Text, wenn du zwischendurch frei ein Beispiel erklärst oder eine Frage einschiebst.
  4. Leselinie einschalten: Bei langen Texten hilft sie, die aktuelle Zeile nicht zu verlieren.
  5. Am Ende prüfen: Der Take-Bericht zeigt, wie viel vom Skript du abgedeckt hast. So merkst du sofort, ob ein Absatz fehlt.

Für den Aufbau längerer Videos lohnt sich auch ein Blick in den Artikel über den Aufbau eines YouTube-Skripts – viele Prinzipien gelten genauso für Lernvideos.

Untertitel für Barrierefreiheit und SRT für Kursplattformen

Untertitel sind im Bildungsbereich besonders wichtig. Sie helfen Lernenden mit Hörbeeinträchtigung, Menschen mit Deutsch als Zweitsprache und allen, die in der Bahn oder in der Bibliothek ohne Ton lernen. Außerdem lassen sich Fachbegriffe mitlesen.

Cameratel erzeugt Untertitel direkt aus deinem Skript und synchronisiert sie mit deiner Stimme. Fachbegriffe wie „Kohlenstoffdioxid“ sind damit richtig geschrieben, ohne dass du ein Transkript korrigieren musst. Für Kursplattformen exportierst du die Untertitel als SRT-Datei. Viele Plattformen wie Moodle, ILIAS oder Kursmarktplätze akzeptieren SRT oder das sehr ähnliche WebVTT – welches Format genau, hängt von der Einrichtung deiner Plattform ab. Wie SRT-Dateien aufgebaut sind und wie du sie hochlädst, erklärt der Ratgeber zur SRT-Datei.

Ein Wort zum Datenschutz, der an Schulen und Hochschulen zu Recht ein großes Thema ist: Cameratel braucht kein Konto, und Videos, Skripte und Gesichtsdaten bleiben auf deinem Handy, bis du sie selbst teilst.

Querformat und ein gleichbleibendes Setup

Für Lernplattformen, Beamer und Laptops ist das Querformat 16:9 die richtige Wahl. Es bietet Platz neben dir für Einblendungen, Tafelbilder oder Folien, die du im Schnitt ergänzt.

Damit deine Videoreihe wie aus einem Guss wirkt, halte das Setup konstant:

  • Gleicher Ort, gleicher Hintergrund: Markiere die Position von Stativ und Stuhl mit Klebeband.
  • Gleiches Licht: Filme möglichst zur gleichen Tageszeit oder mit derselben Lampe.
  • Gleicher Look: Wähle einen Farblook, etwa „Natürlich“, und bleib dabei.
  • Gleicher Bildausschnitt: Augen auf der oberen Drittellinie, gleicher Abstand zur Kamera.
  • Gleicher Ton: Dasselbe Mikrofon, derselbe Raum.

Ein Detail, das beim Unterrichten oft übersehen wird: Hältst du ein Arbeitsblatt, ein Buch oder ein Tafelbild in die Frontkamera, darf das Video nicht gespiegelt gespeichert werden – sonst steht die Schrift seitenverkehrt. Prüfe die Einstellung „Video der Frontkamera spiegeln“ mit einer kurzen Testaufnahme, bevor du die ganze Einheit filmst.

Checkliste: Lernvideos aufnehmen in 7 Schritten

  1. Lektion in Videos mit je einem Lernziel aufgeteilt.
  2. Skript pro Video geschrieben und einmal laut gelesen.
  3. Fachbegriffe erklärt, Pausen markiert, Abschnitte mit # angelegt.
  4. Querformat 16:9, Full HD, gleiches Setup wie beim letzten Video.
  5. Probelauf ohne Aufnahme, dann aufnehmen.
  6. Take-Bericht geprüft: Tempo ruhig, Skript vollständig abgedeckt.
  7. Untertitel als SRT exportiert und mit dem Video hochgeladen.

Wie die Untertitel aus deinem Skript entstehen, zeigt die Seite über automatische Untertitel.

Häufige Fragen

Wie lang sollte ein Lernvideo sein?

So lang, wie ein Lernziel braucht – meist wenige Minuten. Lieber drei kurze Videos mit je einem Gedanken als ein langes, das alles abdecken will.

Brauche ich als Lehrkraft wirklich ein Skript?

Für kurze, präzise Erklärungen lohnt es sich: Du sparst Versprecher und Füllwörter und kannst das Video jahrelang wiederverwenden. Für Fragestunden reicht ein Stichwortzettel.

Welche Untertiteldatei brauchen Kursplattformen?

Die meisten akzeptieren SRT oder WebVTT. Beide Formate sind sehr ähnlich, sodass du eine SRT-Datei bei Bedarf schnell umwandeln kannst.

Hochformat oder Querformat für Lernvideos?

Für Lernplattformen, Beamer und Laptops ist das Querformat 16:9 die richtige Wahl. Hochformat lohnt sich, wenn du Lernhäppchen für Instagram oder TikTok produzierst.